vollehalle – Update

Wenn ein Autokonzern einen Prototypen auf die Straße schickt, hofft er, dass ihn dabei möglichst niemand erwischt. Das Auto, das keiner sehen soll, nennt man Erlkönig, angelehnt an den Vater, der bei Goethe in wilder Hatz durch die düstere Nacht reitet (das Beitragsfoto zeigt den „Erlkönig“, ein Gemälde von Moritz von Schwind, 1804 – 1871). Als wir am 22.9. unseren vollehalle-Prototypen auf die Bühne geschickt haben, wollten wir, dass den Prototypen so viele wie möglich zu Gesicht bekommen. Und so arbeiten wir mit großem Einsatz daran, aus der Show, die jeder sehen soll, nun ein serienfähiges Produkt zu machen, das durch Deutschland rollen kann.

Denn die Idee unserer Show war von Beginn an, dass wir damit auf Tour gehen. Wir wollen mit unserer Show viele Menschen erreichen. Vor allem gerade diejenigen, die bislang wenig mit der Idee anfangen konnten, dass die Beschäftigung mit ökologischer und sozialer Gerechtigkeit etwas ist, das das Leben besser machen kann.

Vielleicht auch, weil manche bislang das Gefühl hatten, nicht gemeint zu sein, wenn es um die Verantwortung ging, die mit unserem Wohlstand und unserem Lebensstil einher gehen. Viele Menschen in Deutschland leben mit dem Gefühl, dass sie am Wohlstand nicht mehr teilhaben. Warum sollten sie sich darüber Gedanken machen, etwas davon an Menschen in fremden Ländern abzugeben, die schon heute von den Folgen unseres Wohlstands, unseres Lebensstils oder unserer Handelspolitik direkt betroffen sind? Man kann ja auch niemanden ernsthaft bitten, die Wäsche reinzuholen, weil sie die Fenster anderer Mieter verdunkelt, wenn acht Stockwerke darüber die Penthouse-Markise die Sonne verdeckt. Vielmehr: Man kann schon, man braucht nur nicht darauf zu hoffen, dass die Angesprochenen verständnisvoll reagieren.

Gerade deshalb brauchen wir einen anderen Diskurs über solche Fragen und vollehalle will dazu einen Beitrag leisten. Wir haben uns vorgenommen, den Prototypen im Laufe der kommenden Legislaturperiode so ins Laufen zu bekommen, dass wir damit regelmäßig in Deutschland auftreten. Dazu braucht es einerseits eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Prototypen und andererseits Menschen, die uns dabei helfen, vollehalle auf die Bühne zu bringen und die Arbeit daran zu fördern.

Beides treiben wir gerade voran. Wir sprechen mit den Einen über ihre Kritik an der ersten Ausgabe und machen uns Gedanken darüber, wie wir sie in unser Konzept integrieren können. Und wir treffen die Anderen, die Kontakte haben zu Stiftungen und anderen möglichen Förderern. Uns ist bewusst, dass es noch eine Weile dauern kann, bis das nächste Mal das Licht ausgeht und die vollehalle-Eingangsmelodie startet.

Wir sind zwar ungeduldig, weil wir am liebsten gleich in der Woche nach dem Prototypen auf neuen Bühnen weitergemacht hätten. Aber wir bleiben gleichzeitig gelassen. Denn unser Erlkönig hat eine vielversprechende erste Fahrt absolviert, und deshalb sind wir überzeugt, dass er als überarbeitetes Serienmodell erst so richtig seine Wirkung entfalten wird.

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